DAS MASSAKER VON BEYKOZ

Istanbul: Die Architektur des Todes

Posted in Uncategorized by beykozkillers on May 7th, 2008

Quer über dem Bosphorus, die Skyline übersät mit Kuppeln und Minaretten, breitet sich Istanbul aus, eine der größten romantischen Städte der Welt. Ihre Geschichte lässt sich zurück verfolgen von Byzantium über Konstantinopel bis zu ihrem Platz als Haupt des ottomanischen Reiches. Heute steht sie da als das kulturelle Herz der Türke, und im Jahr 2010 wird diese wundervolle Stadt Europas Kulturhauptstadt werden, in einer Reihe mit Wundern wie Florenz, Amsterdam, Paris, Madrid und Stockholm.
In jüngster >Zeit hat Istanbul verdientermaßen einen neuen Spitznamen bekommen: IstanCOOL.
Von seinem Büro vor dem Goldenen Horn schaut der Bürgermeister von Groß-Istanbul, Kadir Topbas, auf den Alltag seiner 14-Millionen-Stadt… und auf die verdeckte Vernichtung ihrer weniger glücklichen Einwohner, die der städtischen Straßenhundpopulation.
Wir wollen nicht in Details gehen, was die Jagdgesellschaften betrifft, die Hunde jagten oder die Verfrachtung von Tausenden von Hunden auf nahe gelegene Inseln und ähnliche absurde, unmenschliche Praktiken, die erfolglos von den Vorgängern von Topbas ausgeführt wurden. Stattdessen wollenn wir uns auf die laufende verdeckte und koordinierte Kampagne konzentrieren, die in den meisten Stadtteilen Istanbuls durchgeführt werden (Sisli und Kadikoy mit ihren fortschrittlichen und in die Zukunft schauenden Bürgermeistern als ehrbare Ausnahmen).
Kadir Topas, ausgebildet als Theologe und Architekt, der sich selbst 1977 zum Politiker erklärte und 2004 Bürgermeister von Istanbul wurde, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, diese Stadt in eine wahrhaft europäische Stadt zu verwandeln. Als er in Europa herum reiste, war er fasziniert von der Ordnung und den Strukturen der Wunder dieses Kontinents und von der Sauberkeit der Parks… und von den holländischen Tulpen. Er war auch fasziniert von der Tatsache, dass es vor der Londoner Nationalgalerie und vor den Uffizien in Florenz keine Rudel ausgehungerter Hunde gibt Während wir Topbas Beifall zollen für seine Bemühungen, Istanbul in eine europäisch aussehende Stadt zu verwandeln, müssen wir uns der Tatsache stellen, dass dies nie geschehen wird. Der Charme und die Anziehungskraft dieser Stadt liegen genau in der faszinierenden Mischung von östlichen und westlichen Kulturen.

 


Was hat das jetzt mit der Straßenhundpopulation von Istanbul zu tun? Während die Vernunft, alle Statistiken und die Gesetzgebung sagen, dass die einzige Möglichkeit, die Population von Straßenhunden unter Kontrolle zu bringen, die korrekte Einführung einer breit angelegten „Neuter and Return“ Kampagne ist, hat Herr Topbas die stillschweigende Genehmigung für eine kurzfristige Radikallösung erteilt. Eine Lösung, die nicht nur illegal ist, sondern auch völlig ineffizient und zum Scheitern verurteilt. Die Vernichtung.


Bei all seinen sorgfältigen Beobachtungen hat Herr Topbas einen sehr wichtigen Aspekt europäischen Lebens verpasst. Europa liebt Hunde. Obwohl Istanbul ungenannte Summen in internationale Promotion und Public Relations Kampagnen steckt, ist dieses Geld für den Müll seit dem Augenblick, als die Nachrichten über die Vernichtungskampagnen von Topbas die europäischen Zeitungskioske erreiche und die Bilder toter säugender Hündinnen, umringt von einem Dutzend verhungernder Welpen auf den Computerbildschirmen eines Netzwerks von Millionen von Tierfreunden in der ganzen Europäischen Union auftauchten.


Der jüngste Vorfall in Beykoz hat uns die weitreichende Macht der Technologie gezeigt. Heute ist Beykoz das Synonym für Grausamkeit und Barbarei. Der Anblick von Beykoz, das bloße Erwähnen des Namens seines Bürgermeisters Muharrem Ergul jagt Millionen von türkischen und europäischen Bürgern einen Schauer über den Rücken und beschmutzt das Bild dieser wundervollen Stadt.
Gestern berichtete die größte Zeitung der Türkei, die Hurriyet, über ein weiteres Massaker an Hunden in der Gemeinde Beykoz. Es wurden Bilder von toten Hunden, Katzen und Nutztieren gezeigt, die durch die verheerende Wirkung von Strychnin getötet wurden. Elf verwaiste Welpen versuchten verzweifelt, ein paar Tropfen Milch aus dem Leichnam ihrer getöteten Mutter zu saugen, während die Kinder aus dem Ort weinten angesichts ihrer ersten Erfahrung mit dem Tod, von Menschen gemacht.
Wütende Einwohner verfluchten den Bürgermeister von Beykoz und seine Mörderbande und versuchten zu verstehen, warum ihre eigenen Anführer dieses Massaker angeordnet hatten. Es ist ein Ort, in dem Tierfreunde leben, sie haben die Hunde, die jetzt tot zu ihren Füßen lagen, gehegt und geschätzt. Daneben stand ein Gemeindebeamter, der in einer erstaunlichen Zurschaustellung von Zynismus den „tierfreundlichen Initiativen“ des verehrten Bürgermeisters Muharrem Ergul applaudierte.


Wie lange dauert es noch, bis Topbas versteht, dass dieser Weg nicht nach vorne führt? Wie viele feine Andeutungen in europäischen Konferenzen, wie viele Kampagnen, Zeitungsartikel und allgemeine öffentliche Erregung werden nötig sein, bis er durchblickt? Wie viele Gerichtsverhandlungen, wie viele Demonstrationen, wie viele Boykottaufrufe?
Europäische Kultur bedeutet mehr als Tulpen, Museen für moderne Kunst und Einkaufszentren.
Wir hoffen, dass Herr Topbas eines Tages wirklich der Architekt wird, den diese Stadt so dringend braucht. Ein Architekt des Lebens und nicht ein Architekt des Todes.

4 Responses to 'Istanbul: Die Architektur des Todes'

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  1. Conny Krieger said, on May 10th, 2008 at 10:48 am

    Guten Tag,
    es fällt mir sehr schwer, hier freundlich zu sein!
    Das bedaure ich zutiefst,
    denn ich bin normalerweise ein absolut friedliebender Mensch.
    Und weil es mir weh tut, kann ich es nicht mitansehen !
    Herr Tobbas,
    seien Sie ehrlich !
    Sie interessieren sich nicht für unsere Proteste !
    Sie denken, die können bei uns so billig Urlaub machen,
    die kommen trotzdem ?!
    Oh, ich hoffe Sie täuschen sich da ;-)
    Gerade die “kleinen Leute” verabscheuen Ihre Praktiken.
    Sie wollen Ihre Wrtschaft nicht mehr unterstützen,
    denn Ihnen ist spätestens jetzt klar geworden,
    dass sie sich mitschuldig machen.
    Haben Sie noch einen schönen Tag.

  2. Ruth said, on May 11th, 2008 at 6:10 am

    Seitdem ich erfahren habe, was zur Zeit in Beykoz passiert habe ich mich mal durchgegoogelt und eine Menge über Tierschutzarbeit in der Türkei gelesen.
    Ich bin sprachlos !
    Niemals hätte ich geglaubt, daß in einem Land voller freundlicher Menschen
    derartig grausam gegenüber Hunden gehandelt wird !
    Das verbietet der Koran !
    Für was haben Sie diese Tierschutzgesetze ?
    Ich mag nicht mehr bei Ihnen Urlaub machen !
    Geben Sie der ehrenwerten Frau Olcay und der ebenso ehrenwerten Frau Baban,
    sowie Ihren ehrenwerten Helfern
    die Möglichkeit sich sofort wieder um die Tiere in Beykoz
    zu kümmern.
    Sie verstossen massivst gegen Ihre eigenen Gesetze !
    Heute ist Muttertag
    Ich werde diesen Tag, in diesem Jahr nicht geniessen können.
    Ich werde immer weinen müssen,
    in Gedanken an die leidenden Hunde in Beykoz,
    stellvertretend für alle Hunde in der Türkei.
    Meine erwachsenen Kinder werden fragen warum ich so traurig bin.
    Ich werde ihnen die Bilder von Beykoz zeigen,
    und wir werden heute diesen Tag nutzen um etwas zu tun.
    Meine Kinder lieben Hunde.
    Die Freunsdchaft zur Türkei wird ihnen vergehen.
    Heute, wo sie ihre Mutter so sehr trauern sehen müssen.
    Viel Leid gibt es auf der Welt.
    Die Türkei ist kein armes Land.
    Unbarmherzigkeit aus Profitgier ?!
    Nein, das ist einfach unerträglich.
    Sie sollten stolz sein,
    so bemerkenswerte Menschen wie Frau Olcay und Frau Baban zu haben.
    Ich werde alles dafür tun,
    diese schreckliche Geschichte bekannt zu machen !
    Überall auf der Welt !

  3. Doris Mundinger said, on May 12th, 2008 at 9:02 am

    Zutiefst geschockt, zutiefst traurig bin ich über die lebensverachtenden Taten, zu der die Spezie Mensch fähig ist.
    Ich bewundere die Menschen dort, die den Kampf mit diesen grausamen Menschen aufnehmen, mit diesen an Geist und Seele armen Menschen, die nicht wissen, was Schöpfung bedeutet und was ihre tatsächliche Aufgabe ist.
    Mein Herz tut weh, wenn ich an das unnötige, schreckliche Leiden dieser armen Geschöpfe denke, die in diese Welt hineingeboren, von solchen Menschen, wie Ergul & Co. erwartet werden.
    Es ist immer wieder unglaublich festzustellen, dass solche Menschen ein Amt innehaben, wo sie ihre Barbarei ausleben können. Aber vielleicht wäre gerade diese Tatsache eine Chance gewesen, das Gute durchzusetzen.
    Ich warte auf die Mitteilung, dass die Kastrationsaktionen im Gange sind und jede Vernichtung von Leben geahndet wird und der Respekt vor allem Leben Einzug hält.
    In tiefer Trauer über die Verfolgung des von mir geliebten Teils unser aller Schöpfung bin ich in Gedanken bei den Tieren und bei deren Freunde.

  4. Resie Bühler said, on May 26th, 2008 at 10:08 pm

    herr “bürger”meister, begreifen sie denn gar nicht welches verbrechen sie an der schöpfung, den tieren und den menschen begehen??? ja selbst ihre eigenen “bürger” sind voller trauer und zorn über das, was sie anordnen und zulassen, sehen sie sich keine nachrichten über das was in der welt fast täglich passiert an?? haben sie noch nie was von hunden gehört, die menschen unter trümmern in letzter minute gefunden haben?? ich wünsche mir eine schlagzeile: erdbeben in der türkei, keiner kam zu schaden, nur der herr ergül lag verschüttet unter geröll und alle straßenhunde saßen davor und es sah aus, als ob sie lächelten….

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